Wer sich für Solarenergie interessiert, steht vor einer grundlegenden Frage: Soll die Anlage gekauft oder gemietet werden? Beide Modelle haben ihre Berechtigung und ihre spezifischen Vor- und Nachteile. In der Schweiz bieten verschiedene Anbieter sowohl Kauf- als auch Mietmodelle an, und die richtige Wahl hängt von Ihrer persönlichen Situation ab. In diesem Artikel vergleichen wir beide Optionen detailliert und helfen Ihnen, die für Sie optimale Entscheidung zu treffen.
Das Kaufmodell: Eigentum mit maximaler Rendite
Beim Kauf einer Solaranlage erwerben Sie die Anlage als Ihr Eigentum. Sie bezahlen den gesamten Kaufpreis entweder aus Eigenmitteln oder finanzieren ihn über einen Kredit. Dafür gehört Ihnen die Anlage und Sie profitieren von sämtlichen Erträgen über die gesamte Lebensdauer, die bei modernen Anlagen 25 bis 30 Jahre und mehr beträgt.
Vorteile des Kaufs
Der grösste Vorteil des Kaufs ist die deutlich höhere Gesamtrendite. Da Sie keinen Anbieter am Ertrag beteiligen müssen, fliesst der gesamte finanzielle Nutzen der Anlage an Sie zurück. Eine typische 10-kWp-Anlage für CHF 22'000 kann über 25 Jahre einen Gesamtertrag von CHF 60'000 bis CHF 80'000 erwirtschaften, was einer Rendite von 6-10% pro Jahr entspricht.
Als Eigentümer profitieren Sie zudem von den Förderungen und Steuervorteilen. Die Einmalvergütung des Bundes, kantonale Förderungen und der steuerliche Abzug der Investitionskosten reduzieren die Nettokosten erheblich. Beim Mietmodell fliessen diese Vorteile in der Regel an den Vermieter, nicht an den Hausbesitzer. Ausserdem steigert eine eigene Solaranlage den Wert Ihrer Immobilie, ein Vorteil, der beim Mietmodell deutlich geringer ausfällt.
Sie haben volle Flexibilität bei der Wahl der Komponenten, des Installateurs und möglicher Erweiterungen. Sie können jederzeit einen Batteriespeicher nachrüsten, die Anlage erweitern oder Anpassungen vornehmen, ohne die Zustimmung eines Vermieters einholen zu müssen.
Nachteile des Kaufs
Der offensichtlichste Nachteil ist die hohe Anfangsinvestition. Auch wenn sich die Anlage langfristig rechnet, müssen Sie zunächst CHF 12'500 bis CHF 38'000 aufbringen oder einen Kredit aufnehmen. Das Investitionsrisiko liegt bei Ihnen: Falls die Module schneller degradieren als erwartet oder der Wechselrichter ausfällt, tragen Sie die Kosten für Reparatur oder Ersatz.
Als Eigentümer sind Sie auch für die Wartung und eventuelle Reparaturen verantwortlich. Zwar sind Solaranlagen sehr wartungsarm, aber nach 10-15 Jahren muss der Wechselrichter in der Regel ersetzt werden, was Kosten von CHF 2'000 bis CHF 4'000 verursacht. Auch die Versicherung der Anlage liegt in Ihrer Verantwortung.
Das Mietmodell: Einfacher Einstieg ohne Investition
Beim Mietmodell, auch als Solar-Contracting oder Pacht bezeichnet, installiert ein Anbieter die Solaranlage auf Ihrem Dach und bleibt Eigentümer der Anlage. Sie zahlen eine monatliche Miete und nutzen den produzierten Strom. Die Mietdauer beträgt typischerweise 15 bis 25 Jahre. Am Ende der Laufzeit können Sie die Anlage übernehmen, den Vertrag verlängern oder die Anlage demontieren lassen.
Vorteile der Miete
Der grösste Vorteil der Miete ist der Einstieg ohne Eigenkapital. Sie benötigen keine grosse Anfangsinvestition und können dennoch sofort von Solarstrom profitieren. Die monatliche Miete ist planbar und liegt idealerweise unter den eingesparten Stromkosten, sodass Sie vom ersten Tag an eine positive Bilanz haben.
Der Vermieter übernimmt in der Regel die Wartung und Reparaturen, einschliesslich des Wechselrichter-Austauschs. Sie haben keine technischen Risiken und müssen sich nicht um die Anlage kümmern. Manche Anbieter bieten auch eine Leistungsgarantie an, die sicherstellt, dass die Anlage eine Mindestmenge an Strom produziert.
Nachteile der Miete
Der grösste Nachteil der Miete ist die deutlich geringere Gesamtrendite. Über die gesamte Laufzeit zahlen Sie in der Regel mehr als beim Kauf, und der finanzielle Nutzen wird zwischen Ihnen und dem Vermieter aufgeteilt. Die monatlichen Mietzahlungen summieren sich über 20 Jahre oft auf einen Betrag, der den Kaufpreis einer vergleichbaren Anlage deutlich übersteigt.
Förderungen und Steuervorteile fliessen beim Mietmodell in der Regel an den Vermieter, nicht an Sie als Hausbesitzer. Dadurch entgeht Ihnen ein erheblicher finanzieller Vorteil, der die Wirtschaftlichkeit des Mietmodells zusätzlich schmälert.
Die lange Vertragsbindung von 15 bis 25 Jahren kann problematisch sein, insbesondere bei einem geplanten Hausverkauf. Viele Mietverträge enthalten Klauseln, die den Mieter verpflichten, den Vertrag an den neuen Eigentümer zu übertragen. Dies kann den Verkauf der Immobilie erschweren, da nicht jeder Käufer einen laufenden Solar-Mietvertrag übernehmen möchte.
Rechenbeispiel
Eine 10-kWp-Anlage zum Kauf kostet CHF 22'000 (netto nach Förderungen ca. CHF 15'000). Dieselbe Anlage zur Miete kostet bei einer monatlichen Rate von CHF 180 über 20 Jahre insgesamt CHF 43'200. Der Kaufpreis ist also knapp die Hälfte der Gesamtmietkosten.
Der direkte Vergleich: Kauf vs. Miete
Betrachten wir ein konkretes Beispiel: Eine 10-kWp-Anlage auf einem Einfamilienhaus in der Deutschschweiz. Die Anlage produziert rund 9'600 kWh pro Jahr. Beim Kauf beträgt die Investition CHF 22'000 brutto. Nach Abzug der Einmalvergütung und des Steuerabzugs liegen die Nettokosten bei etwa CHF 14'000 bis CHF 16'000. Über 25 Jahre erwirtschaftet die Anlage einen Gesamtnutzen von rund CHF 65'000 bis CHF 80'000 durch Eigenverbrauch und Einspeisung. Die Rendite beträgt rund 6-10% pro Jahr.
Beim Mietmodell zahlen Sie eine monatliche Miete von typischerweise CHF 150 bis CHF 200. Über 20 Jahre summiert sich dies auf CHF 36'000 bis CHF 48'000. Der Strom, den Sie selbst verbrauchen, spart Ihnen Stromkosten, aber die Einspeisevergütung fliesst meist an den Vermieter. Am Ende der Laufzeit können Sie die Anlage für einen Restbetrag übernehmen oder sie wird demontiert.
In beiden Fällen profitieren Sie von niedrigeren Stromkosten, aber die Gesamtwirtschaftlichkeit ist beim Kauf deutlich besser. Die Miete lohnt sich vor allem dann, wenn Sie kein Eigenkapital haben und auch keinen Kredit aufnehmen möchten oder können.
Für wen eignet sich der Kauf?
Der Kauf einer Solaranlage eignet sich für Hausbesitzer, die über ausreichend Eigenkapital oder die Möglichkeit einer günstigen Finanzierung verfügen. Er ist ideal für alle, die maximale Rendite anstreben, langfristig in ihrer Immobilie leben werden und Wert auf volle Flexibilität und Kontrolle über die Anlage legen. Auch für Eigenheimbesitzer, die den Wert ihrer Immobilie steigern möchten, ist der Kauf die bessere Option.
Für wen eignet sich die Miete?
Die Miete kann eine sinnvolle Option sein für Hausbesitzer ohne verfügbares Eigenkapital, die dennoch sofort von Solarstrom profitieren möchten. Sie eignet sich für Personen, die kein technisches Risiko eingehen und sich nicht um Wartung kümmern wollen, sowie für Eigentümer, die unsicher sind, ob sie längerfristig in der Immobilie bleiben. In der Praxis empfehlen wir jedoch den Kauf mit einer günstigen Finanzierung, da die Gesamtkosten in den meisten Fällen deutlich niedriger sind.
Kauf oder Miete? Wir beraten Sie
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Ein oft übersehener Mittelweg ist die Finanzierung der Solaranlage über einen Solar-Kredit. Verschiedene Schweizer Banken und Energieversorger bieten spezielle Kredite für Solaranlagen zu günstigen Konditionen an. Der Vorteil: Sie werden Eigentümer der Anlage und profitieren von allen Vorteilen des Kaufs, die Investition wird aber über mehrere Jahre verteilt. Die monatlichen Kreditraten liegen oft in derselben Grössenordnung wie eine Solar-Miete, aber am Ende gehört Ihnen die Anlage.
Durch die Kombination aus Eigenverbrauchsersparnis, Einspeisevergütung und Steuerabzug können sich die Kreditraten in vielen Fällen quasi von selbst tragen. Sprechen Sie mit Ihrer Bank über die Möglichkeiten einer Solar-Finanzierung und vergleichen Sie die Konditionen verschiedener Anbieter.
Fazit: Kauf ist in den meisten Fällen die bessere Wahl
Für die grosse Mehrheit der Schweizer Hausbesitzer ist der Kauf einer Solaranlage die wirtschaftlich sinnvollere Option. Die höhere Gesamtrendite, die Förderungen und Steuervorteile sowie die Wertsteigerung der Immobilie sprechen klar für den Kauf. Selbst wenn Sie die Anlage über einen Kredit finanzieren, fahren Sie langfristig besser als mit einem Mietmodell.
Die Miete kann eine Überlegung wert sein, wenn keine andere Finanzierungsmöglichkeit besteht. Achten Sie in diesem Fall besonders auf die Vertragsbedingungen, die Kündigungsklauseln und die Konditionen für eine spätere Übernahme der Anlage. Und vergessen Sie nicht: Auch beim Mietmodell sollten Sie Angebote vergleichen und die Vertragsbedingungen sorgfältig prüfen.
Langfristige Perspektive für Eigenheimbesitzer
Bei der Entscheidung zwischen Kauf und Miete sollten Schweizer Eigenheimbesitzer ihre langfristigen Pläne berücksichtigen. Wer mindestens zehn Jahre im selben Haus wohnen möchte, profitiert finanziell meist stärker vom Kauf, da die Anlage nach der Amortisation praktisch kostenlosen Strom liefert. Die Miete eignet sich hingegen für Eigentümer, die Flexibilität schätzen und kein Kapital binden möchten. Beide Modelle tragen aktiv zur Energiewende bei und steigern den Wohnkomfort.