Eine Solar-Offerte ist mehr als nur ein Preiszettel. Sie ist das Fundament Ihrer Investitionsentscheidung und sollte alle wichtigen technischen und kommerziellen Details transparent darlegen. Leider sind nicht alle Offerten gleichermassen aussagekräftig. Manche Anbieter verschleiern wichtige Informationen oder lassen entscheidende Punkte weg. Mit unserer umfassenden Checkliste stellen Sie sicher, dass Sie Offerten richtig bewerten und die beste Wahl für Ihr Projekt treffen.
Grundlegende Informationen der Offerte
Jede seriöse Offerte sollte zunächst die grundlegenden Projektdaten enthalten. Dazu gehören die genaue Adresse des Installationsortes, die installierte Leistung in kWp, die erwartete jährliche Stromproduktion in kWh und eine Beschreibung der geplanten Anlage. Die erwartete Stromproduktion sollte auf einer professionellen Simulation basieren, die die spezifische Dachausrichtung, Neigung und mögliche Verschattungen berücksichtigt.
Achten Sie darauf, dass der Anbieter eine Vor-Ort-Besichtigung durchgeführt hat oder explizit plant. Eine Offerte, die nur auf Basis von Satellitenbildern erstellt wurde, kann die tatsächlichen Gegebenheiten nicht vollständig erfassen. Dachzustand, Verschattung durch Nachbargebäude oder Bäume, Statik und Zugänglichkeit lassen sich nur vor Ort beurteilen. Ein Installateur, der ohne Besichtigung ein verbindliches Angebot macht, ist nicht seriös.
Die Offerte sollte ein klar definiertes Gültigkeitsdatum haben, typischerweise 30 bis 60 Tage. Achten Sie auch darauf, ob die angegebenen Preise inklusive oder exklusive Mehrwertsteuer sind. Im Privatbereich ist die MwSt. relevant, da Privatpersonen in der Regel nicht vorsteuerabzugsberechtigt sind.
Technische Komponenten im Detail
Solarmodule
Die Offerte muss den genauen Typ und Hersteller der Solarmodule nennen, nicht nur eine generische Bezeichnung wie etwa monokristalline Module. Folgende Angaben sollten enthalten sein: Hersteller und genaue Modellbezeichnung, Leistung pro Modul in Wp, Wirkungsgrad des Moduls, Anzahl der Module, Gesamtleistung in kWp. Prüfen Sie, ob es sich um aktuelle Modelle handelt und informieren Sie sich über den Ruf des Herstellers.
Wechselrichter
Der Wechselrichter ist das Herzstück der Anlage und muss ebenfalls genau spezifiziert sein. Die Offerte sollte Hersteller und Modell, die Nennleistung in kW, die Anzahl der MPP-Tracker, den maximalen Wirkungsgrad und ob es sich um einen String-, Mikro- oder Hybrid-Wechselrichter handelt, aufführen. Ein Hybrid-Wechselrichter ist empfehlenswert, wenn Sie heute oder in Zukunft einen Batteriespeicher anschliessen möchten.
Montagesystem
Das Montagesystem wird oft vernachlässigt, ist aber entscheidend für die Haltbarkeit und Sicherheit der Anlage. Die Offerte sollte den Hersteller und Typ des Montagesystems sowie die Art der Dachdurchdringung oder Befestigung nennen. Bei Schrägdächern kommen in der Regel Dachhaken zum Einsatz, bei Flachdächern Aufständerungssysteme. Achten Sie darauf, dass das System für Ihre Dacheindeckung zugelassen ist.
Wichtig
Ein seriöser Installateur nennt in der Offerte immer die genauen Modellbezeichnungen aller Hauptkomponenten. Vage Angaben wie «hochwertiges Modul einer Tier-1-Marke» sind ein Warnsignal.
Leistungen und Umfang der Installation
Klären Sie genau, welche Leistungen im Offertenpreis enthalten sind. Ein vollständiges Angebot umfasst typischerweise die Lieferung aller Materialien und Komponenten frei Baustelle, die komplette Montage der Module auf dem Dach inklusive Montagesystem und Verkabelung, die Installation des Wechselrichters und die Elektroinstallation bis zum Hausanschluss, den Netzanschluss und die Inbetriebnahme der Anlage, die Anmeldung beim Elektrizitätswerk und die Meldung an die Gemeinde, die Anmeldung für die Einmalvergütung bei Pronovo sowie ein Monitoring-System zur Überwachung der Anlage.
Fragen Sie explizit nach, ob das Gerüst im Preis enthalten ist. Bei manchen Anbietern wird das Gerüst separat berechnet und kann mit CHF 1'500 bis CHF 3'000 zu Buche schlagen. Ebenso sollten Sie klären, ob eventuelle Anpassungen am Hausanschluss oder an der Unterverteilung im Preis inbegriffen sind oder zusätzlich berechnet werden.
Garantien und Gewährleistung
Die Garantiebedingungen sind ein zentraler Bestandteil jeder seriösen Offerte. Folgende Garantien sollten klar aufgeführt sein:
- Produktgarantie Module: Mindestens 12 Jahre, bei Premium-Herstellern 25 Jahre oder mehr. Sie deckt Materialfehler und Verarbeitungsmängel ab.
- Leistungsgarantie Module: Typischerweise mindestens 80-85% der Nennleistung nach 25 Jahren. Premium-Hersteller bieten bessere Werte und längere Laufzeiten.
- Produktgarantie Wechselrichter: Standard sind 5-10 Jahre, viele Hersteller bieten Garantieverlängerungen auf 15-20 Jahre an.
- Arbeitsgarantie des Installateurs: Ein seriöser Installateur gewährt mindestens 5 Jahre Garantie auf seine Installationsarbeit, inklusive der Dichtigkeit der Dachdurchbrüche.
Prüfen Sie, ob der Installateur eine eigene Betriebshaftpflichtversicherung hat und ob eventuelle Schäden während der Montage abgedeckt sind. Ein professioneller Installateur wird Ihnen auf Nachfrage gerne einen Nachweis vorlegen.
Wirtschaftlichkeitsberechnung
Eine gute Offerte enthält eine Wirtschaftlichkeitsberechnung, die Ihnen aufzeigt, wann sich die Investition amortisiert und welche Rendite Sie erwarten können. Diese Berechnung sollte realistische Annahmen verwenden und mindestens folgende Punkte berücksichtigen: die erwartete jährliche Stromproduktion basierend auf einer Simulation, den angenommenen Eigenverbrauchsanteil und die Einspeisevergütung, den aktuellen Strompreis und eine realistische Strompreissteigerung, die zu erwartenden Förderungen und den Steuerabzug sowie Wartungs- und Versicherungskosten.
Seien Sie skeptisch bei Wirtschaftlichkeitsberechnungen, die unrealistisch hohe Eigenverbrauchsanteile, übertriebene Strompreissteigerungen oder keine Degradation der Module annehmen. Ein Eigenverbrauchsanteil von 25-35% ohne Speicher ist realistisch, mit Speicher 50-70%. Die jährliche Degradation der Module beträgt typischerweise 0,3-0,5%, was über 25 Jahre zu einem Produktionsrückgang von 7-12% führt.
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Die Offerte sollte einen realistischen Zeitplan für das gesamte Projekt enthalten. Wann findet die Vor-Ort-Besichtigung statt? Wann beginnt die Montage? Wie lange dauert die Installation? Wann ist die Inbetriebnahme geplant? Ein typischer Zeitrahmen vom Auftragseingang bis zur Inbetriebnahme beträgt 8 bis 16 Wochen, abhängig von der Auslastung des Installateurs und den behördlichen Verfahren.
Klären Sie auch, was passiert, wenn es zu Verzögerungen kommt. Gibt es eine Vertragsstrafe bei Überschreitung des vereinbarten Termins? Wie wird mit Schlechtwetterphasen umgegangen? Ein seriöser Installateur kommuniziert proaktiv über den Fortschritt des Projekts und informiert Sie zeitnah über eventuelle Verzögerungen.
Zahlungsbedingungen
Die Zahlungsbedingungen sollten klar und fair sein. Üblich in der Branche sind Zahlungspläne, die sich am Projektfortschritt orientieren. Eine typische Aufteilung sieht eine Anzahlung von 30-40% bei Auftragserteilung, eine Teilzahlung von 30% bei Montagebeginn und eine Schlusszahlung von 30-40% nach erfolgreicher Inbetriebnahme vor. Seien Sie vorsichtig bei Anbietern, die eine vollständige Vorauszahlung verlangen.
Prüfen Sie auch, ob der Installateur einen Eigentumsvorbehaltvermerk in den Vertrag aufnimmt und wie die Rücktrittsmodalitäten geregelt sind. Ein fairer Vertrag sieht eine Rücktrittsklausel vor, die beide Seiten schützt.
Warnzeichen unseriöser Offerten
Es gibt einige klare Warnsignale, die auf einen unseriösen Anbieter hindeuten. Dazu gehören aggressive Verkaufstaktiken mit zeitlichem Druck, fehlende Vor-Ort-Besichtigung vor der verbindlichen Offerte, vage Produktbezeichnungen ohne genaue Modellangaben, fehlende oder unklare Garantiebedingungen, unrealistisch niedrige Preise, die deutlich unter dem Marktpreis liegen, sowie keine Referenzprojekte oder negative Bewertungen im Internet.
Weitere Warnzeichen sind fehlende Fachbewilligungen oder Zertifizierungen, vollständige Vorauszahlung des gesamten Betrags vor Installationsbeginn, und Unwilligkeit, Fragen zu beantworten oder Details offenzulegen. Ein seriöser Installateur nimmt sich Zeit für Ihre Fragen und legt alle Details transparent dar.
Die Offerte richtig vergleichen
Wenn Sie mehrere Offerten vorliegen haben, erstellen Sie eine Vergleichstabelle mit den wichtigsten Kennzahlen: Preis pro kWp, installierte Leistung, erwarteter Jahresertrag, verwendete Module und Wechselrichter, Garantiebedingungen und enthaltene Leistungen. So sehen Sie auf einen Blick, welches Angebot das beste Gesamtpaket bietet.
Berücksichtigen Sie neben dem reinen Preis auch weiche Faktoren wie die Erfahrung des Installateurs, seine Referenzen in Ihrer Region, die Erreichbarkeit für Rückfragen und die Qualität der Beratung. Ein Installateur, der sich Zeit für eine ausführliche Beratung nimmt und alle Fragen kompetent beantwortet, wird auch nach der Installation ein zuverlässiger Partner sein.